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Bautrend Green Construction - ökologisch Bauen mit nachhaltigen Baustoffen

Themenreihe Bautrends – Teil 5: Green Construction. Ökologisch bauen mit nachhaltigen Baustoffen – dieser Trend hat sich in den letzten Jahren immer mehr verfestigt. Dabei ist nicht nur der Klimaschutz ein Beweggrund, sondern auch die Gesundheitsförderung.

Ein im Bau befindliches Holzhaus, in das Strohballenwärmedämmung eingebaut wird.

Ein Haus, das mit Hilfe von Strohballen gedämmt wird, heißt Strohballenhaus. Es wird in aller Regel aus Holz gebaut, dann mit Stroh gedämmt und mit Lehm verputzt. Die Naturmaterialien sorgen für ein angenehmes Raumklima und gute Luftwerte im Inneren.

 

Was heißt Green Construction, Grünes Bauen oder ökologisches Bauen?

Green Construction, Grünes Bauen – auch ökologisches Bauen genannt – umfasst eine Reihe von Aspekten. Sie beziehen sich sowohl auf den Produktionsprozess – das Bauen – als auch auf die Nutzung des Baus, also das Wohnen. Die von uns bereits vorgestellten Bautrends greifen beim ökologischen Bauen ineinander. Sie alle haben gemeinsame Zielsetzungen: Ressourcenschonung, CO2- Einsparung durch Nutzung erneuerbarer Energien und die Verwendung natürlicher Baustoffe sowie eine Erhöhung der Lebensqualität der Bewohner. Ökosiedlungen wie der Freiburger Stadtteil Vauban oder die Ökosiedlung Friedrichsdorf zeigen, wie ökologisches Bauen und Wohnen in der Praxis aussehen kann.

Nachhaltige Baustoffe für das ökologische Bauen

Die für Grüne Gebäude verwendeten ökologischen Baustoffe zeichnet aus, dass für ihren Herstellungsprozess nur wenig oder keine Primärenergie verbraucht wird. Das Gegenteil ist sogar der Fall: Nachwachsende Baustoffe entziehen der Atmosphäre während ihres Wachstums klimaschädliches CO2 und speichern es – der Verbrauch von konventionellen Baustoffen mit schlechter Klimabilanz sinkt. Außerdem können ökologische Baustoffe recycelt oder kompostiert werden. Auch die thermische Verwertung ist möglich: Dafür werden die nicht mehr benötigten Stoffe verbrannt und die freiwerdende Energie als Wärme oder Strom verwertet.

Aber nicht nur die Umwelt profitiert vom Grünen Bauen. Das Wohnen in ökologischen Häusern wirkt sich positiv auf die Gesundheit und das Wohlbefinden seiner Bewohner aus. Der Wunsch nach angenehmem Raumklima, guten Innenraum-Luftwerten und schadstoffarmem bzw. schadstofffreiem Wohnen veranlasst immer mehr Menschen, ökologisch zu bauen und zu sanieren.

Ökologische, nachhaltige Materialien für Naturbaustoffe sind unter anderem:

  • Holz
  • Lehm
  • Ton
  • Kies
  • Natursteine
  • Stro
  • Wolle
  • Hanf
  • Kokosfaser 
  • Lein-, Soja- oder Sonnenblumenöl

Besonders Holz wird schon seit längerem im konventionellen und ökologischen Hausbau eingesetzt. Vermehrt werden auch alte Techniken wie das Fachwerk neu gedacht und mit nachhaltigen Baustoffen aus Stroh und Lehm umgesetzt.

Wir betrachten einige natürliche Baustoffe näher:

Ökologisches Bauen mit Holz – mehr als nur ein Holzhaus

Das Bauen mit Holz hat eine lange Tradition. Es wurde bereits genutzt, bevor Stahl, Beton und andere moderne Baustoffe eingesetzt wurden. Zur Herstellung dieser Stoffe ist sehr viel Primärenergie nötig, außerdem entstehen umweltschädliche Abfallstoffe, die teils aufwendig entsorgt werden müssen. Anders beim Baustoff Holz: Bei ihrem Wachstum nehmen Bäume CO2 aus der Atmosphäre auf und betreiben mit Hilfe von Wasser und Sonnenlicht Photosynthese. Da sich Baustoffe aus Holz vergleichsweise einfach herstellen lassen, wird auch an dieser Stelle der Energieverbrauch auf ein Minimum reduziert. Dabei sind die technischen Eigenschaften von Holz im Hausbau keineswegs schlechter als jene von Stahl, Beton und künstlichen Dämmstoffen: Tragfähig wie Stahl, fast so druckfest wie Beton und extrem wärmedämmend dank des großen Hohlraumanteils. Bewohner von Holzhäusern kommen in den Genuss eines gesundheitsfördernden Wohnklimas. Gleichzeitig bietet der Baustoff Holz im Inneren des Hauses wie auch außen einen großen Gestaltungsspielraum.

Stroh als ökologischer Baustoff – umweltfreundlich und effektiv dämmen

Beim Strohbau wird der Baustoff Stroh in erster Linie als Wärmedämmstoff verwendet. Die Bauform wird auch Strohballenbau genannt, da vorwiegend mit Stroh in Ballenform gebaut wird. Stroh kann aber auch mit anderen Stoffen zu Wärmedämmverbundsystemen verarbeitet werden.

Der Strohballenbau gilt als besonders nachhaltig. Rund ein Fünftel der Strohernte in Deutschland wird laut Fachverband Strohballenbau nicht benötigt und reicht für den Bau von bis zu 350.000 Einfamilienhäusern. Der Rohstoff Stroh wächst regelmäßig nach und muss aufgrund der regionalen Verfügbarkeit nicht weit transportiert werden. Beim Wachstum nimmt das Getreide CO2 aus der Luft auf. Der Aufwand für die Herstellung der Bau-Strohballen ist gering und verursacht nur minimale CO2-Emissionen. Eingesetzt als Wärmedämmstoff trägt Stroh außerdem zur Vermeidung von CO2-Emissionen bei.

Das mit Hilfe von Strohballen gedämmte Haus heißt Strohballenhaus. Es wird aus Holz gebaut, mit Stroh gedämmt und mit Lehmputz verputzt.

Der Fachverband Strohballenbau Deutschland e. V. (FASBA) informiert in seiner Strohbaurichtlinie  von 2014 (überarbeitet 2019) über alles Wissenswerte zu dieser umweltfreundlichen Bauform.

Lehm – der vielfältige nachhaltige Baustoff

Der Baustoff Lehm schneidet als ökologischer Baustoff sehr gut ab. Brandschutz, Recyclebarkeit, Wohnklima, Wärmespeicher: Alles vorbildlich. Für Allergiker interessant: Lehm hat die Eigenschaft, Feinstäube und Schadstoffe aus der Raumluft zu filtern und zu binden.

Der Alleskönner Lehm besteht aus Sand, Feinsand („Schluff“) und Ton. Da er in vielen Regionen verfügbar ist, braucht es keine langen Transportwege. Um aus Lehm Baustoffe herzustellen, wird wenig Energie benötigt: Lehmbaustoffe werden nicht gebrannt, sondern erreichen ihre Stabilität durch Trocknen an der Luft. Je nach gewünschter Eigenschaft des jeweiligen Produkts werden dem Lehm Zusätze wie Sand, Stroh- oder Hanfhäcksel zugesetzt.

Die Lehmbau-Techniken sind umfangreich. Der Baustoff kann in unterschiedlichen Formen in Fußböden, Wänden, Decken, Dach sowie im Trockenbau und als Putz und Wandfarbe verwendet werden. Lediglich für das Fundament ist Lehm nicht geeignet, da Wasser in ihm aufsteigen kann.

Ökologisches Bauen mit Bambus

Bambus gilt als eines der nachhaltigsten Baumaterialien – schließlich ist es die am schnellsten wachsende Pflanze der Welt. Unter den über 1.200 Sorten gibt es einige, die bis zu einem Meter in 24 Stunden wachsen können. Durch das schnelle Wachstum nimmt Bambus sehr viel CO2 aus dem Umgebungsluft auf. Bereits nach drei bis fünf Jahren können Sorten geerntet werden, die als Alternative zu Baumholz dienen. Um die Nachhaltigkeit des Baumaterials Bambus zu gewährleisten, dürfen bei der Ernte jedoch nur ausreichend große Bambusstämme aus dem Verbund der Bambushalme entnommen werden.

Da der Bambus sehr widerstandsfähig und genügsam ist, braucht man für seinen Anbau wenig bis keine Düngemittel und Pestizide. Auch kommt er fast immer ohne nennenswerte künstliche Bewässerung aus. Allerdings kann das Bauen mit Bambus nur dann als ökologisch betrachtet werden, wenn er dort verwendet wird, wo er wächst – zum Beispiel in Südostasien. Ein Export von Bambus als Baumaterial nach Europa würde die gute Ökobilanz zunichtemachen.

Ökologisches Bauen – Kosten und Fördermöglichkeiten

Die Kosten beim Bau eines ökologischen Hauses liegen in der Regel höher als bei konventionellen Bauprojekten. Das Gleiche gilt für die Sanierung von Bestandsbauten nach ökologischen Richtlinien. Erfahrungen zeigen, dass mit etwa zehn Prozent höheren Kosten zu rechnen ist.

Diese Mehrkosten lassen sich jedoch durch geringere Heizkosten und finanzielle Zuschüsse wieder reinholen.

Verschiedene Förderprogramme bietet die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) für das ökologische Bauen und Sanieren an. Eine Übersicht aller KfW-Förderkredite und Zuschüsse für den Neubau erhalten Sie hier  und das Programm für bestehende Immobilien hier.

Auch über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) sowie die regionalen Förderbanken der Bundesländer haben Hausbauer und Sanierer die Möglichkeit, für ökologische Bau- und Sanierungsmaßnahmen Fördermittel zu erhalten.

Dieser Artikel ist der fünfte und letzte Teil der Serie "Bautrend", in der folgende Beiträge erschienen sind:

  1. Bautrend Dachbegrünung
  2. Bautrend Fassadenbegrünung 
  3. Bautrend Sonne
  4. Bautrend Energieeffizienz
  5. Bautrend Green Construction 

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