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Ökologische Dämmstoffe – Sind Naturdämmstoffe so gut wie ihr Ruf?

Nachhaltige Dämmung durch ökologische Dämmstoffe, diese Wörter wecken positive Assoziationen. Angesichts der weltweiten Klimaveränderung scheint es nur richtig und vernünftig, ökologische Dämmstoff-Alternativen zu verwenden. Aber gibt es auch Nachteile?

Ein blühendes Flachsfeld. Es wird wertvollen Dämmstoff liefern.

Dieses herrliche blühende Flachsfeld liefert die Grundlage für wertvollen ökologische Dämmstoffe.

Was sind ökologische Dämmstoffe?

Ökologische Dämmstoffe sind im Trend – keine Frage. Schafwolle-Dämmung, Hanf-Dämmung oder Zellulose-Dämmung haben in den letzten Jahren eine große Anhängerschaft gefunden. Warum nicht nachhaltig mit natürlichen Materialien isolieren, wenn es gut für die Umwelt und die Gesundheit ist? Das Umweltbewusstsein ist gewachsen – auf Hersteller- und auf Nutzerseite. Angesichts knapper werdender fossiler Brennstoffe und Klimaerwärmung eine logische Entwicklung.

Eine einheitliche Definition für ökologische Dämmstoffe gibt es nicht. Der größte Teil der ökologischen Dämmstoffe besteht aus nachwachsenden Rohstoffen. Diese können tierischen Ursprungs sein (Schafwolle) oder aus pflanzlichen Stoffen bestehen (z.B.  Stroh, Kork, oder Seegras). Aber auch Recyclingmaterial wie Altpapier und Jute oder Material natürlichen mineralischen Ursprungs wie Blähton gelten als ökologische Dämmstoffe.

Die Liste der ökologischen Dämmstoffe ist erfreulich lang. Einige werden schon seit langem verwendet, beziehungsweise wurden wiederentdeckt: So zum Beispiel Schafwolle, Stroh und Schilf.

Die gängigsten ökologischen Dämmstoffe sind:

  • Schafwolle
  • Flachs
  • Hanf
  • Stroh
  • Kork
  • Schilf
  • Seegras
  • Zellulose
  • Kokosfaser
  • Holzfaser
  • Jute

Vorteile bei der Verwendung ökologischer Dämmstoffe

Die Gründe, Dämmvorhaben mit natürlichen Materialien durchzuführen, sind vielfältig:

Umweltschonung bei Anbau und Abbau

Während des Wachstums nehmen Pflanzen, die später zu Dämmstoffen verarbeitet werden, CO2 auf. Durch die Verarbeitung bleibt das CO2 gebunden, statt beim Absterben und Verrotten der Pflanze zurück in die Atmosphäre zu gelangen.

Positive Auswirkungen auf die Gesundheit

Die Verwendung nachhaltiger Dämmstoffe wirkt sich positiv auf das Raumklima aus. So können sie etwa die Luftfeuchtigkeit auf natürliche Weise regulieren. Die Materialien sind schadstofffrei, was nicht nur Allergikern und Asthmatikern, sondern allen Menschen guttut. Schafwolle kann sogar Schadstoffe aus der Raumluft binden. Von der gesundheitsfreundlichen Verarbeitung profitieren die Mitarbeiter in der Produktion der Dämmstoff-Hersteller.

Heizenergie und CO2 einsparen

Wie bei konventionellen Dämmstoffen auch, wird durch die Verwendung alternativer Dämmmaterialien Heizenergie und somit CO2 eingespart – ein wichtiger Beitrag zu Klima- und Umweltschutz.

Niedriger Energieverbrauch bei der Herstellung

Für die allermeisten organischen Dämmstoffe gilt: Der Energieverbrauch bei der Herstellung ist niedrig – es wird mehr CO2 eingespart als verursacht. So kann sich bereits nach wenigen Wochen oder Monaten nach dem Einbau der Dämmstoffe eine positive Klimabilanz ergeben.

Kurze Transportwege

Viele ökologische Dämmstoffe werden aus regionalen Rohstoffen hergestellt. Das hält die Transportwege kurz und schont die Umwelt.

Kompostierbarkeit

Ökologische Dämmstoffe können in der Regel kompostiert oder sogar recycelt werden. Konventionelle Dämmstoffe gelten wegen ihrer Inhaltsstoffen dagegen oft als Sondermüll, der teuer entsorgt werden muss.

Haben ökologische Dämmstoffe auch Nachteile?

Neben all den Vorteilen ökologischer Dämmstoffe gibt es auch Nachteile:

Nachteile der ökologischen Dämmstoffe in einer Tabelle zusammengefasst

Ist der jeweilige Nachteil für das eigene Bauvorhaben hinnehmbar? Hier müssen Sie individuell entscheiden und möglicherweise weiter nach Alternativen suchen. Lassen Sie sich im Zweifelsfall von einem Energieexperten bei der Dämmstoff-Wahl beraten.

Ökologische Dämmstoffe aus bauphysikalischer Sicht

Stichwort Wärme

Wärmedämmung soll Wärme bei kalten Außentemperaturen im Gebäude halten und bei heißen Temperaturen das Gegenteil bewirken: Die Wärme draußen lassen. Wie gut können ökologische Dämmstoffe das? Sind sie konventionellen Dämmstoffen wie Styropor, Mineralwolle und Co. überlegen oder unterlegen?

In der (möglichst niedrigen) Wärmeleitfähigkeit sind ökologische Dämmstoffe den herkömmlichen Materialien nicht unbedingt überlegen. Nachwachsende Rohstoffe als Dämmstoffe haben aber im Allgemeinen ein überdurchschnittliche hohes Wärmespeichervermögen. Dies bewirkt, dass Wärme mit höherem Zeitverzug weitergeleitet wird, was überdurchschnittliche gute Ergebnisse beim Hitzeschutz bewirkt.   

Unter den ökologischen Dämmstoffen sticht hier besonders Jute hervor: Kein anderer Dämmstoff erreicht eine höhere Wärmespeicherkapazität. Dabei ist Jute besonders für die Dachdämmung geeignet: Verarbeitet zu Dämmstoff hält Jute die Hitze unterm Dach von morgens bis abends zurück. Eine konventionelle Dämmung aus Glaswolle in gleicher Dämmstoffstärke schafft das lediglich bis zum Mittag. Das Haus heizt sich folglich in der zweiten Tageshälfte stärker auf. Ebenfalls für die ökologische Dachdämmung gut geeignet sind Zellulose-Dämmstoffe. Ihre Wärmeleitfähigkeit ist nur geringfügig niedriger als die von Jute.

Als Faustregel gilt: Je höher das Wärmespeichervermögen bei gleichzeitig möglichst niedriger Wärmeleitfähigkeit, desto besser ist die Wärmedämmung.

Stichwort Feuchtigkeit

Süße Schafe auf der Weide. Mähhh… Ihre Wolle liefert sehr guten Dämmstoff – nachhaltig und nachwachsend.

Durch richtiges Lüften und die Wahl geeigneter Dämmstoffe  lässt sich die Luftfeuchtigkeit in den Innenräumen regulieren.

Dämmplatten aus Holzfasern, Zellulose, Flachs, Hanf oder Schafwolle zeichnen sich besonders durch ihre Fähigkeit aus, Feuchtigkeit aus der Raumluft aufzunehmen und wieder abzugeben. Und das bei gleichbleibender Dämmwirkung. Ein konventioneller Dämmstoff wird hingegen durch Feuchtigkeit in seiner Dämmwirkung beeinträchtigt.

Warum können ökologische Dämmstoffe weit mehr Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben als konventionelle Dämmstoffe? Das liegt an der organischen Struktur der verarbeiteten Materialien, die sich bei synthetischen Dämmstoffen nur schwer nachbilden lässt. So kann Schafwolle bis zu 30 Prozent ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit aufnehmen, Flachs bis zu 20 Prozent und Hanf bis zu 17 Prozent. Diese hohe Sorptionsfähigkeit macht ökologische Dämmstoffe weniger anfällig für Schimmel als herkömmliche Dämmstoffe und sorgt für ein angenehmes Raumklima.

Stichwort Schall

Eine Dämmung soll nicht nur vor zu viel Wärme oder Kälte schützen, sondern die Bewohner auch vor Belastung durch Geräusche schützen. Unter den ökologischen Dämmstoffen sind insbesondere Holzfasern, Zellulose und Kork sehr gut für die Schalldämmung geeignet. Sie tragen dazu bei, die Wohn- und Lebensqualität durch ihre schallisolierende Wirkung zu erhöhen. Dabei geht es nicht nur um eine Abschottung des Außenlärms, sondern auch um eine Schallreduzierung von einem Raum in den anderen.

Finanzielle Förderung für die Verwendung ökologischer Dämmstoffe

Wenn Sie ein Dämmvorhaben mit Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen durchführen möchten, können Sie das Förderprogramm „Nachwachsende Rohstoffe“ des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) in Anspruch nehmen. Umgesetzt wird das Programm von der „Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe“ (FNR). Möchten Sie wissen, welche Materialien förderfähig sind? In der Förderliste der FNR finden Sie Antworten auf Ihre Fragen.

Auch immer mehr Kommunen bieten als Förderung finanzielle Zuschüsse an, wenn ökologische Dämmstoffe beim Hausbau oder der Sanierung eingesetzt werden. Informieren Sie sich am besten direkt bei Ihrer Kommune über die konkreten Möglichkeiten.

Einen breiten Überblick zur finanziellen Förderung von Haussanierungen mit vielen Tipps finden Sie übrigens in unserem Ratgeber Förderung für Haussanierung! Aber wo und wie?.

Richtig versichert bei Sanierungs- und Bauvorhaben

Von jedem Grundstück und erst recht von jeder Baustelle können Gefahren für Unbeteiligte ausgehen, gleichgültig ob saniert oder neu gebaut wird. Eine Haus- und Grundeigentümerhaftpflichtversicherung sollten Sie auf jeden Fall abschließen. Abhängig von der Summe, die für das Bauvorhaben veranschlagt wird, könnte auch eine Bauherrenhaftpflichtversicherung notwendig werden, für kleinere Umbauten kann die Privathaftversicherung ausreichen.

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