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Urban Gardening auf dem Dachgarten und Balkon

Mehr als 70% der Deutschen leben in Städten und wollen dabei längst nicht mehr auf Natur verzichten. Baumaßnahmen, Hitze und Stürme haben in den vergangenen Jahren so manches Stadtgrün gekostet. Damit die Städte nun wieder grüner werden, nehmen ihre Bewohnerinnen und Bewohner mit „Urban Gardening“ die Sache selbst in die Hand.

Urban Gardeining geht auf dem kleinsten Balkon. Die junge Frau macht aus ihrem Balkon einen Pflanzengarten und freut sich über ihre neuerworbenen Pflanzen, die sie in einer Kiste vor sich trägt.

Urban Gardening auf dem Balkon. Hier kann man sich auf kleinstem Raum ein blühendes Paradies schaffen. Selbst wenn die eigene Scholle nur einige Kübel und Blumentöpfe umfasst.

 

Urban Gardening auf Dächern und Balkonen

Die Grünflächen der Stadt sind begrenzt und an sonnigen Tagen schnell überfüllt. Für heißbegehrte Schrebergärten bleibt nur ein perspektivarmer Wartelisten-Platz. Wohin also im Sommer, wenn der Asphalt glüht? Balkone und Dächer sind eine Lösung und lassen sich leicht in grüne Oasen verwandeln! Auch Kräuter und Gemüse gedeihen dort prächtig. Und für die Dachbegrünung ist sogar eine öffentliche Förderung möglich. Wir zeigen Ihnen, wie Sie jetzt Ihr Urban-Gardening-Projekt auf Balkon und Dach umsetzen!

 

Vielfältige Möglichkeiten zur Gestaltung und Bepflanzung von Balkonen

Wer eine Wohnung mit Balkon ergattert hat, zählt zu den Glückspilzen. Balkone unterscheiden sie sich nach Größe, Form und ihrer Himmelsrichtung. Südbalkone sind sonnenverwöhnt, während Nordbalkone an heißen Tagen Erfrischung bringen. Nach Osten oder Westen ausgerichtete Balkone bieten einen guten Mix aus Sonnenschein und Schattenzeiten. Gestaltungsmöglichkeiten gibt es für jeden Balkon.

Möglichkeiten zur Balkonbepflanzung

Für die erfolgreiche Balkonbepflanzung ist es wichtig, die Standortansprüche der Pflanzen zu berücksichtigen. Viel Sonne mögen zum Beispiel Vanilleblumen, Geranien oder Petunien. Das Blaue Gänseblümchen ist auch ein echter Hingucker auf dem Balkon und blüht ordentlich. Sie alle fühlen sich auf dem Südbalkon wohl. Zu den eher kühlen Gefilden des Nordbalkons passen Hortensien, Fuchsien und auch das Fleißige Lieschen. Studentenblume, Männertreu und Fächerblume hingegen finden auf West- und Ost-Balkonen ihren Lieblingsplatz.

Für den Besuch im Pflanzenmarkt beachten Sie folgendes:

  • Die Pflanzen sind mit Informationen zu Pflege und Idealstandort ausgestattet. Lassen Sie sich nicht von der Blütenpracht verführen und wählen Sie unbedingt für Ihren Balkon geeignete Pflanzen aus!
  • Haben die Pflanzen bereits Schäden oder trockene Blätter, kaufen Sie sie nicht. Sie werden vermutlich nicht lange Freude daran haben. Gesunde Pflanzen erkennen Sie an vielen Knospen und einem feuchten Wurzelraum.
  • Sehen Sie sich die Unterseite der Blätter genau an, hier lauern eventuell Schädlinge. Schildläuse hinterlassen zum Beispiel braune Stellen an Trieben und Blattadern. Befallene Pflanzen gehören selbstverständlich nicht in den Einkaufswagen.
  • Die Pflanzen werden in kleinen Töpfen angeboten, in denen sie sich nicht entfalten können. Kaufen Sie am besten auch gleich größere Töpfe und Balkonkästen ein und topfen Sie zeitnah um.
  • Noch ein Tipp für Praxis und Optik: Wählen Sie die Materialien der Töpfe und Kästen sorgfältig aus. Terrakotta verleiht ein südliches Flair, weiße Töpfe lassen schattige Balkone heller erscheinen. Zu leichte Töpfe bieten nicht genug Widerstand gegen stürmische Winde – hier können Sie sich notfalls mit einer Kiesschicht als Einlage behelfen.

Schutz vor Sonneneinstrahlung und neugierigen Blicken auf den Balkon bieten Kletterpflanzen. Sie benötigen einen Pflanzkübel, ein Rankgitter und regelmäßig Wasser. Auch Palmen machen sich gut auf Balkonen, allerdings sind nicht alle für unser Klima geeignet. Wählen Sie robuste und winterharte Exemplare, wie zum Beispiel Nadelpalmen oder Dattelpalmen. Im Winter brauchen diese aber dennoch ein bisschen Kälteschutz.

Noch ein Tipp für Gießmuffel: Es gibt Wasserspeicherkästen mit einem integrierten Tank. Damit entfällt das tägliche Gießen. Sie können zudem auch wasserspeichernde Granulate in die Blumenerde mischen. Mit diesen Maßnahmen überstehen Ihre Pflanzen auch mal einen Urlaub.

Gemüse und Kräuter auf dem Balkon

Mehr pflanzliche Vielfalt und eine Bereicherung für den Abendbrottisch erhalten Sie mit dem Anbau von Gemüse und Kräutern auf dem Balkon. Hierbei gilt es, mit geschickten Möglichkeiten den vorhandenen Raum zu nutzen. Wir haben ein paar Anregungen fürs „Urban Farming“ auf dem Balkon für Sie:

  • Regale, Pflanzgestelle, Pflanzenleitern und Blumentreppen nutzen den Raum in die Höhe und bieten Platz für zahlreiche Töpfe und Kästen. So kommen Kräuter schön zur Geltung.
  • In Blumenampeln wachsen nicht nur Blumen, sondern auch Kräuter oder Erdbeeren.
  • Ein mobiles Hochbeet lässt sich leicht bepflanzen und auch mal verschieben.
  • Pflücksalat und Tomaten gedeihen hervorragend auch in Blumenkästen.
  • Erbsen ranken sich gern am Balkongeländer entlang und sehen dabei auch noch gut aus.

Gestalten Sie Ihren Kräuter- und Gemüsegarten abwechslungsreich und mit vorhandenen Materialien. Ab Februar können Sie bereits Zitronenmelisse, Oregano und Co. auf der Fensterbank vorziehen. Spätestens im Mai dürfen sich alle Kräuter und Gemüsepflanzen draußen entfalten.

Exkurs: Zeit für Gemütlichkeit auf dem Balkon

Jetzt brauchen Sie nur noch bequeme und praktische Balkonmöbel und schon können Sie es sich in Ihrer kleinen grünen Oase gemütlich machen. Klappmöbel und -Tische lassen sich gut verstauen und der Anzahl Ihrer Gäste anpassen.

Sonnenschirme und Markisen sind vor allem für Balkone in höheren Etagen zu empfehlen. Sie schützen Sie und Ihre Pflanzen vor zu starker Sonneneinstrahlung am Tag. Für lauschige Sommernächte hingegen dürfen Windlichter, eine Solar-Lichterkette und ein paar Decken nicht fehlen. Unerwünschte Mücken halten Sie mit Zitronenkerzen oder entflammten Kaffeepulver fern – beides riecht auch noch gut.

Auch ein Grillabend auf dem Balkon ist grundsätzlich möglich. Die Nachbarn werden bei einem Elektrogrill weniger involviert. Wenn der Mietvertrag es erlaubt: Es gibt kleine Holzkohle-Grills, die sich ans Geländer hängen lassen. Außer Holzkohle sind mittlerweile nachhaltige Alternativen zum Beispiel aus Kokosnüssen verfügbar. Und die Salatbeilage erhalten ab dem Hochsommer auch noch direkt von Ihrem Balkon.


Urban Gardening auf dem Dach

Definitiv sonnig ist es bei entsprechendem Wetter auf Hausdächern. Auf Flachdächern entstehen mit Dachgärten und Dachterrassen neue Freiräume zum Leben und Gestalten. Dafür muss der Hauseigentümer einverstanden und die Dachkonstruktion tragfähig sein. Bei einem Neubau kann der Dachgarten gleich in der Planung berücksichtigt werden. Bestandsimmobilien müssen entsprechend geprüft werden vor Einrichtung eines Dachgartens. Die Dachlast sollte dafür mindestens 150 bis 200 Kilogramm pro Quadratmeter betragen. Andernfalls ist nur eine Dachbegrünung möglich. Bei über 200 Kilogramm Traglast wiederum sind der Dachgartennutzung keine Grenzen gesetzt.

Urban Gardening ganz oben: Nutzung und Bepflanzung von Dachgärten

Im Dachgarten ist Urban Gardening genau wie auf dem Balkon möglich, nur mit viel mehr Platz und dazu einem fantastischen Ausblick. Für die Nutzung und Gestaltung haben wir ein paar Tipps:

  • Bei einer gemeinschaftlichen Nutzung von Dachgarten oder Dachterrasse stimmen Sie sich gut miteinander ab. Der Erholung sollte kein Zwist entgegenstehen. Möglich sind aber auch je Mieteinheit abgetrennte Bereiche.
  • Wenn Sie einen Dachgarten neu einrichten, verlegen Sie einen wasserdurchlässigen und schallgedämmten Bodenbelag. Dieser sollte sich auch nicht so schnell durch Sonneneinstrahlung erwärmen. Holz oder Naturstein verleihen dem Dachgarten einen natürlichen Touch.
  • Teilen Sie Ihren Dachraum in verschiedene Bereiche auf, zum Beispiel Essbereich, Gemüseanbau, Freifläche zum Spielen oder Tanzen. So kann das Dach optimal und mit unterschiedlichen Interessen genutzt werden.
  • Ein Sonnenschutz ist unerlässlich bei einem Dachgarten. Gibt es auf umliegenden Häusern auch genutzte Dachgärten, kann zudem ein Sichtschutz angenehm sein. Den erreichen Sie mit Pergola, hochwachsenden Gräsern, Kletterpflanzen oder Bambus. Genau wie Hochbeete eignen sich diese Varianten auch zur Raumaufteilung.
  • Richten Sie den Dachgarten gemütlich ein. Hier haben Sie endlich Platz für Hängematte, Hollywoodschaukel oder Sofa-Lounge.
  • Urban Gardening und Urban Farming: Nutzen Sie die Dachfläche ganz nach Lust und Laune für Blumen, Grünpflanzen, Gemüse- und Kräuteranbau. Auch kleinere, in Kübel gepflanzte Bäume haben hier je nach Tragfähigkeit des Dachs ihren Platz.

Die leichtere Alternative: Dachbegrünung

Ist auf Ihrem Dach aus statischen Gründen lediglich eine Dachbegrünung möglich, lässt sich auch diese Gelegenheit fürs Urban Gardening nutzen. Die Dachbegrünung funktioniert nicht nur auf Flachdächern, sondern auch auf Schrägdächern, Carports oder Garagen. Das Gründach speichert Regenwasser und entlastet bei Starkregen die Kanalisation. Überhaupt trägt es zur Verbesserung des Stadtklimas bei.

Ein Gründach kann je nach Größe und Traglast auch mit Gemüse, Kräutern und zum Beispiel insektenfreundlichen Blumen bepflanzt werden. Im Handel erhältlich sind außerdem sogenannte Vegetationsmatten. Diese sind schon bepflanzt, pflegeleicht und können so einfach wie Rollrasen ausgelegt werden.

Mit öffentlicher Förderung zu Dachgarten und Grünbedachung

Weil sie Vorteile für Stadtklima und Umwelt mit sich bringen, werden Gründächer von vielen Kommunen gefördert. Die Stadt Hamburg zum Beispiel hat ein Förderprogramm zur Dachbegrünung aufgelegt und unterstützt Projekte auf Wohnhäusern und anderen Gebäuden. Eine Förderung ist für freiwillige Dachbegrünungsprojekte möglich, die nicht aufgrund rechtlicher Regelungen erforderlich sind. Mindestens 20 m² muss die Grünfläche zudem groß sein. Die Einzelheiten der Förderung sind komplex und ebenso die Berechnung des Förderbetrags. Hier kommt es auf Faktoren wie Größe, Substratdicke des Bodenbelags, Nutzbarkeit und die positiven Auswirkungen der Grünbedachung an.

Erkundigen Sie sich am besten vor Umsetzung Ihres Urban-Gardening-Projekts auf dem Dach bei Ihrer Kommune nach den örtlichen Fördermöglichkeiten. Weil die Dachbegrünung einen so positiven Effekt in vielerlei Hinsicht hat, sollten Sie sich diese Möglichkeit nicht entgehen lassen. Denn mit der Förderung können Sie vielleicht sogar noch mehr umsetzen als zunächst gedacht.

Versicherungsschutz für Dachgarten und Balkon

Ist der Balkon oder Dachgarten erstmal schön eingerichtet, kommen schnell einige Werte zusammen. Wie steht es da um den Versicherungsschutz der Wohngebäude- und Hausratversicherung? Werden Balkone und Dachgärten zu Wohnzwecken genutzt, sehen viele Versicherungsprodukte eine Mitversicherung vor. Das sollte mit dem Versicherer am besten vor Umsetzung des Urban-Gardening-Projekts geklärt werden. Möglicherweise ist eine Anpassung der Versicherungssumme oder der Wohnfläche erforderlich.

Urban Gardening auf Balkon und Dachgarten sind eine absolute Bereicherung. Gärtnern überhaupt werden viele positive Effekte auf die Gesundheit zugeschrieben. Für Klima und Umwelt entstehen weitere Vorteile. Wir wünschen Ihnen viel Freude bei Ihrem Urban-Gardening-Projekt.

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