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Bautrend Dachbegrünung - setzen Sie auf grün!

Wie wird heute gebaut? Wie können Pflanzen einbezogen werden? Als Start unserer Themenreihe „Bautrends“ beleuchten wir das Thema Dachbegrünung. Wir zeigen Ihnen, welche Möglichkeiten der Begrünung es gibt und wie sie finanziell gefördert werden.

Dachbegrünung ist einer der aktuellsten Bautrends. Die Vorteile der Dachbegrünung sind eindeutig: Klima, Flora und Fauna sowie die Geldbörse profitieren davon.

Die Begrünung von Gebäuden und speziell die Dachbegrünung kann als weltweiter Bautrend bezeichnet werden. Die Vorteile für Ökologie und Ökonomie liegen auf der Hand.

Warum sollte man Dächer begrünen?

 Im Vordergrund der Dachbegrünung steht der ökologische Nutzen. Pflanzen sorgen für ein besseres Mikroklima. Durch die Verdunstung von Wasser über die Blätter der Pflanzen wird die Umgebungsluft befeuchtet und gekühlt. Pflanzen tragen auch zur Luftreinigung bei, indem sie Staub und Luftschadstoffe filtern. Dachbegrünung wirkt außerdem der zunehmenden Bodenversiegelung durch Steingärten bzw. Schottergärten andere gepflasterte und betonierte Flächen entgegen. Das Anlegen eines Gründachs oder Dachgartens gilt als Entsiegelungs- und damit Kompensationsmaßnahme im Sinne der „Eingriffs-Ausgleichsregelung“ des Bundesnaturschutzgesetzes. Für Insekten und bodenbrütende Vögeln sind begrünte Dächer ein Stück wichtiger Lebensraum. Die Bewohner von Gründachhäusern werden durch die Pflanzen- und Substratschicht vor hohen sommerlichen Temperaturen geschützt. Ist es kalt, trägt das grüne Dach zur Wärmedämmung bei. Der Energieverbrauch und damit der CO2-Ausstoß verringert sich – ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz. Dass die Heizkosten sinken versteht sich von selbst. Und da ein Gründach Regenwasser aufnimmt, gelangt weniger Niederschlagswasser in die Kanalisation. Das Abwassersystem wird entlastet.

 

Welche Formen der Dachbegrünung gibt es?

Bei den Formen der Dachbegrünung gibt es zwei wesentliche Methoden: Die intensive und die extensive Dachbegrünung.

 

Extensive Dachbegrünung – Gründächer

Hauptmerkmal der Extensivbegrünung von Dächern ist der geringe Pflegeaufwand. Auf einer relativ dünnen Substratschicht von etwa 6 bis 20 cm werden robuste, niedrige Gewächse gepflanzt. Sie sollten Wasser speichern und extreme Temperaturen aushalten können. Polsterstauden wie Hauswurz, Mauerpfeffer oder Steinbrech sind bestens geeignet. Auch für einige Ziergräser und mediterrane Kräuter wie Lavendel, Salbei und Thymian bietet ein extensives Gründach beste Voraussetzungen zum Gedeihen. Fettpflanzen ergänzen den Pflanzenmix. Da viele empfohlene Pflanzen der Gattung „Sedum“ angehören, spricht man auch von Sedumdächern. Die Robustheit der Pflanzen ermöglicht es, den Pflanzenteppich hin und wieder zu betreten. Es können aber auch kleine Gehwege eingeplant werden, um Pflege und Wartung des Daches zu erleichtern.

 

Intensive Dachbegrünung – Dachgärten

Bei einem vollwertigen Garten auf dem Dach spricht man von intensiver Dachbegrünung. So eine grüne Oase über den Dächern bietet ganz andere Möglichkeiten als ein Gründach mit Flechten, Moosen und Wildkräutern. Eine wesentlich dickere Substratschicht von ca. 20 bis 40 cm ermöglicht die Bepflanzung mit größeren und höheren Pflanzen. Sogar kleine Bäume können angepflanzt werden. So lässt sich eine individuelle Dachlandschaft anlegen – sei es auf privaten Gebäuden oder im öffentlichen Raum. Eine zusätzliche Wohn- und Nutzfläche entsteht, ganz ohne zusätzliche Kosten für diesen Baugrund.

Durch die dickere Substratschicht und größere Pflanzen kommt es bei einem Dachgarten zu einem deutlich höheren Gewicht pro Quadratmeter als bei der extensiven Dachbegrünung. Dazu trägt auch die größere Speicherkapazität für Regenwasser bei. Das muss bei der Planung einer intensiven Dachbegrünung berücksichtigt werden. Kosten und Pflegeaufwand für einen vollwertigen Dachgarten sind höher als bei der Extensiv-Variante. Für einen Dachgarten benötigen Sie außerdem eine Genehmigung. Die statische Eignung des Gebäudes muss ebenfalls berechnet werden. Diese Faktoren kosten Zeit und Geld.

 

Nicht vergessen: Absturzsicherung für Gründächer und Dachgärten

Wer ein Gründach oder einen Dachgarten besitzt, ist verpflichtet für eine Absturzsicherung zu sorgen. Personen, die das Gründach oder technische Anlagen pflegen, warten oder reparieren, müssen vor Unfällen geschützt werden. Dauerhafte Sicherheitsgeländer sind eine Möglichkeit, die jedoch optisch nicht besonders ansprechend ist. Da Gründächer nur relativ selten betreten werden, bieten sich optisch unauffällige Lösungen an, wie zum Beispiel Schienen oder Einzelanschlagpunkte. An diesen können sich Personen mittels Sicherungsseilen vor Absturz schützen.

Bei Dachgärten geht es ebenfalls um die Absturzsicherheit, aber auch um die Optik. An einem Ort für Entspannung und Erholung sollte ein Sicherheitsgeländer auch dem Auge schmeicheln. Hier bieten sich vielfältige Formen und Materialien je nach Geschmack und Geldbeutel an. Entscheidend ist die ausreichende Höhe. Die entsprechenden Vorschriften sind deutschlandweit nicht einheitlich. Die höchste vorgeschriebene Brüstungshöhe ist 1,10 Meter. Wenn Sie sich daran halten, sind Sie auf der sicheren Seite.

Bei allen Systemen zur Absturzsicherung ist es wichtig, dass die Dachabdichtung bei der Befestigung der Sicherungssysteme nicht beschädigt wird. Denn dann wäre die Dichtigkeit des Daches nicht mehr gewährleistet. Auflastgetragene Absturzsicherungsmaßnahmen verhindern, dass die Dachabdichtung Schaden nimmt. Auflastgetragen bedeutet dabei, dass eine schwergewichtige Schicht wie Kies oder die Substratschicht z.B. ein Geländer an Ort und Stelle hält. Entsprechende Geländer haben am unteren Ende abgewinkelte Streben, Platten oder andere Elemente, die über den Boden laufen und beschwert werden können

 

Was kostet Dachbegrünung?

Für die extensive Dachbegrünung müssen Sie mindestens 25 bis 35 Euro pro Quadratmeter einplanen. Die aufwändigere intensive Dachbegrünung kostet etwa doppelt so viel. Hinzu kommen die Mehrkosten für Pflanzen und Pflege. Durch eine Dachbegrünung lassen sich aber auch Kosten sparen:

  • Das Dach und damit die so wichtige Dachabdichtung wird vor Schäden und Alterungserscheinungen geschützt. Im Gegensatz zu einem Flachdach mit Kiesschicht kann sich die Haltbarkeit um etwa 15 bis 25 Jahre verlängern. Vereinfacht gesagt: Die Dachabdichtung hält doppelt so lange – vorausgesetzt, sie ist wurzelfest.
  • Da Substratschicht und Pflanzen Regenwasser speichern, gelangt weniger Abwasser in die Kanalisation. Der Wasserabfluss von Gründächern ist damit deutlich geringer als bei unbegrünten Dächern. So lassen sich Abwasser- bzw. Niederschlagswassergebühren einsparen.
  • Die Heizkosten sinken durch die wärmedämmende Wirkung der Dachbegrünung. Und damit auch der CO2-Ausstoß.

 

Förderung, finanzielle Zuschüsse und Einsparmöglichkeiten

Wenn Sie sich für eine Dachbegrünung entscheiden, haben Sie zahlreiche Einsparmöglichkeiten. Die Förderbank Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) beispielsweise bietet verschiedene Förderprogramme in Form von zinsgünstigen Finanzierungen oder rückzahlungsfreien Zuschüssen an. Wenn ein Gründach im Rahmen einer Gebäudesanierung angelegt wird, können Sie das Förderprogramm „Wohnraum modernisieren STANDARD“ nutzen.

Verbessert die Dachbegrünung bei Sanierungsobjekten nachweisbar die Wärmedämmung, greifen verschiedene Fördermöglichkeiten des CO2-Minderungsprogramms „CO2-Gebäudesanierung“.

Auch der Bau von Photovoltaikanlagen  kann von der KfW-Bank gefördert werden, wenn eine Dachbegrünung angelegt wird. Das entsprechende Förderprogramm nennt sich „Solarstrom erzeugen“. Der Grund: Der Wirkungsgrad von Photovoltaik-Modulen erhöht sich auf der naturgekühlten Gründachfläche.

Viele Gemeinden erkennen Dachbegrünungen außerdem als Entsiegelungsmaßnahme an. Mit einem Gründach oder Dachgarten leisten Sie einen Ausgleich zur zunehmenden Versiegelung des Bodens. Belohnt werden Sie dafür mit niedrigeren Abwasser- bzw. Niederschlagswassergebühren. Aber auch durch direkte finanzielle Zuschüsse fördern Kommunen den Grünanteil ihrer Verwaltungsgebiete. 10 bis 20 Euro Zuschuss pro Quadratmeter Grünfläche sind keine Seltenheit. Alternativ übernehmen einige Kommunen einen Anteil der Herstellungskosten. Erkundigen Sie sich einfach bei Ihrer Kommune.

Egal für welche Form der Dachbegrünung Sie sich interessieren, die Dachbegrünungsrichtlinien der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V. (FLL) sollte unbedingt zu Ihrer Lektüre gehören. Sie wurden 2018 in überarbeiteter Form neu aufgelegt.

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