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Entwässerung von Haus und Grundstück – Darauf sollten Sie achten!

Genauso wichtig wie die Versorgung mit sauberem Wasser ist auch die richtige Entwässerung von Grundstück und Gebäude. Denn nicht nur das entstehende Abwasser muss entsorgt werden, auch Regenwasser, das auf Haus und Garten prasselt. Wir zeigen Ihnen, worauf es ankommt!

Ein Gitterrost zur Abdeckung von Entwässerungsrinnen wird wird verlegt. Die Grundstücksentwässerung benötigt eine gute Planung. Eine gut geplanter Grundstücksentwässerung ist wichtig.

Gitterroste werden zur Abdeckung der Entwässerungsrinnen benötigt. Sie lassen das Wasser durch, halten aber Blätter ab, so dass die Entwässerungsrinnen nicht verstopfen. Eine Grundstücksentwässerung muss gut geplant sein.

 

Grundstücksentwässerung

Gegen Hochwasser sind Haus- und Grundbesitzer machtlos. Doch die zunehmende Versiegelung durch Gebäude, Straßen und auch von Gärten – weil pflegeleicht – sorgt dafür, dass Regenwasser, insbesondere nach kräftigen Niederschlägen, nicht mehr versickern kann. Rückstau und Überflutungen durch überlastete Kanalsysteme sind die Folge. Das Wasser steht in Kellern, Garagen, im Garten und läuft gegebenenfalls auch auf das Nachbargrundstück. Doch es gibt Möglichkeiten, hier vorzubeugen.

 

Wer ist für die Grundstücksentwässerung verantwortlich?

Während die Kommunen für Betrieb und Unterhalt des öffentlichen Kanalsystems zuständig sind, liegt die Verantwortung für die privaten Entwässerungsanlagen beim Grundstückseigentümer. Nach § 61 Abs. 2 Wasserhaushaltsgesetz  ist jeder Eigentümer eines Gebäudes verantwortlich für den ordnungsgemäßen Bau, den Betrieb der Anlage nach den "allgemein anerkannten Regeln der Technik" und deren Instandhaltung. Deshalb muss auch das Thema Entwässerung von Anfang an bei der Planung eines Hauses einbezogen und ein spezieller Entwässerungsplan erstellt werden.

Wichtig: Die Schutzmaßnahmen dürfen aber nicht dazu führen, dass überschüssiges Regenwasser vom eigenen Grund und Boden zum Nachbarn umgelenkt wird. Denn wenn auf dem Nachbargrundstück durch dort nun anfallende Wassermengen Schäden entstehen, kann der Verursacher hierfür haftbar gemacht werden. 

 

Was ist ein Entwässerungsplan?

Kanalanschlüsse sind für viele Bauherren ein lästiges Übel. Dennoch: Eine ordentliche Entwässerungsplanung ist essenziell, damit man nicht selbst oder der Nachbar später im Wasser steht. Der Entwässerungsplan ist Bestandteil der Bauplanung eines Hauses. Er enthält alle wichtigen Angaben für die Entwässerung des Gebäudes und Grundstücks. Weiter zeigt er, wo die Leitungen liegen, wo die Abwässer zusammenlaufen, wohin Lichtschächte und Regenfallrohre entwässert werden und wo die Entwässerungsrohre auf dem Grundstück und unterm Haus liegen. Nur wenn ein Entwässerungsplan vorliegt, können Experten auch prüfen, ob die Entwässerung technisch in Ordnung ist und wie Handwerker im Falle eines Falles an die Entwässerungsrohre herankommen.

Unterschieden wird zwischen der reinen Gebäudeentwässerung und der Grundstücksentwässerung:

Gebäudeentwässerung

Die Gebäudeentwässerung umfasst einerseits die Schmutz- bzw. Abwasserentwässerung durch benutztes Trinkwasser. Das sind insbesondere alle Abwässer, die durch Wassergebrauch im Haushalt entstehen, wie zum Beispiel durch Toilettenspülung, Waschbecken-, Dusch- und Badewannennutzung, Wasch- und Spülmaschine, Küchenbetrieb oder Gebäudereinigung. Zum anderen kommt hier die Niederschlagsentwässerung zum Tragen, also der Abfluss von Regen- oder Oberflächenwasser auf Dachflächen, Wegen, Terrassen und Stellflächen.

Grundstücksentwässerung

Als Grundstücksentwässerung bezeichnet man das Abwasserkanalsystem auf dem Grundstück, das als Bindeglied das Abwasser von Haus und Grundstück der öffentlichen Kanalisation zuführt. Unterschieden wird zwischen Schmutzwasser und Regenwasser. Sie werden entweder zusammen entsorgt (Mischsystem) oder häufiger über getrennte Abwasseranlagen (Trennsystem) abgeleitet.

 

Gibt es rechtliche Vorgaben?

Die Grundstücksentwässerung ist durch europäische und deutsche Normen geregelt, durch die Wassergesetze der Bundesländer und die Landesbauordnungen sowie durch regionale Regelwerke wie z. B. die jeweilige Entwässerungs- oder Abwassersatzung einer Gemeinde.

In der Regel ist jeder Haus- und Grundstückseigentümer hiernach zur Entwässerung und zum Anschluss seines Grundstücks an die öffentliche Kanalisation verpflichtet. In den Abwassersatzungen ist außerdem geregelt, wie welche Abwässer in die öffentliche Kanalisation eingeleitet werden dürfen.

Übrigens: Da der Schutz vor Abwässern für Boden und Grundwasser sehr wichtig ist, müssen Haus- und Grundbesitzer nach Gesetz regelmäßig die Dichtheit ihrer Grundstücksentwässerung kontrollieren lassen. Hierzu sollten immer ausgewiesene Fachhandwerksbetriebe beauftragt werden. Fragen Sie am besten bei Ihrer Handwerkskammer vor Ort nach.

 

Wie wird ein Entwässerungsplan erstellt?

Zunächst ermitteln Bauherr und Architekt – häufig auch gemeinsam mit dem Installateur oder einem Fachplaner – den Bedarf der Entwässerung. Hier finden auch die Wünsche des Bauherrn – zum Beispiel im Hinblick auf die Regenwassernutzung – Berücksichtigung. Auf dieser Grundlage reicht der Architekt einen ersten Entwässerungsplan als Teil der Antragsunterlagen zur Baugenehmigung ein.

Ist diese erteilt, erstellt der Installateur oder Fachplaner einen ausführlichen Plan zur Entwässerung des Grundstücks auf Basis der rechtlichen Vorgaben. Er ist die Richtschnur für die bauliche Umsetzung.

 

Welche Maßnahmen kommen für die Entwässerung eines Grundstücks zum Tragen?

Entwässerung ist weit mehr als nur Abwasserentsorgung. Um den Wert der Immobilie dauerhaft zu erhalten und die Umwelt zu schützen, sind zuverlässige Entwässerungssysteme im Haus und auf dem Grundstück sind unverzichtbar. Bauherren sollten bei den Abwassersystemen, wie Abläufe, Rohre oder Formstücke nicht auf das Geld schauen, sondern auf Qualität achten und das Abwassersystem durch einen Fachhandwerksbetrieb durchführen lassen.

1. Grundstücksentwässerungsanlage verlegen

Eine Grundstücksentwässerungsanlage, die die Abwasserleitungen im und am Haus mit der öffentlichen Kanalisation verbindet, besteht aus Grundleitungen, ggf. Revisionsschächten und Kanälen für den Kanalisationsanschluss. Sie hat bestimmte Vorgaben und Normen zu erfüllen. Die Abwasserleitungen müssen beispielsweise "ein Gefälle" aufweisen, damit das Wasser störungs- und geräuschlos abfließen kann. Außerdem sind sie frostsicher zu verlegen, d. h. sie müssen mindestens in 0,8 Meter Tiefe liegen. Ob ein Revisions- oder Abwasserschacht notwendig ist, hängt von den Gegebenheiten vor Ort ab.

2. Rückstausicherung/-schutz einbauen

Aufgrund der allgemeinen Klimaveränderungen kommt es bei uns immer häufiger zu Starkregen oder Unwettern. Das kann schnell die öffentliche Kanalisation überfordern. Sind die Abwasserkanäle überfüllt, staut sich das Wasser und drückt es zurück in die Keller. Schäden am und im Haus sind die Folge. Die Beseitigung des Abwassers aus der Kanalisation ist unangenehm und meist auch teuer. Mit einer Rückstausicherung lässt sich das verhindern.

Die einfache Variante ist eine Rückstauklappe, die sich bei zurückströmendem Wasser schließt und die Leitung sperrt. Komfortabler sind sogenannte Rückstauhebeanlagen. Im Fall des Falles wird die Abwasserleitung gesperrt und das Abwasser über eine Pumpe sicher aus dem Haus befördert. So können auch bei Starkregen Dusche, Toilette und Waschmaschine im Keller genutzt werden.

Die Rückstausicherung ist auch eine gängige Anforderung für eine Elementarschadenversicherung. Mehr Informationen hierzu in unserem Ratgeber .

3. Dach begrünen

Dachbegrünungen liegen voll im Trend, sind ein echter Blickfang sein und haben dazu viele Vorteile – nicht zuletzt für die Entwässerung von Oberflächenwasser und das Regenwassermanagement. Sie nehmen das auftreffende Regenwasser auf, speichern es und es verdunstet direkt vor Ort. Eine Entwässerung kann dann entfallen. Insbesondere flache Dächer, wie Garagen- oder Gartenhausdächer, eignen sich hierfür besonders gut. Aber auch Satteldächer können begrünt werden. Einige Kommunen fördern sogar die Begrünung von Dächern durch niedrigere Abwassergebühren, da deutlich weniger Regenwasser von den Dachflächen abfließt.

Lesen Sie hierzu auch unseren Ratgeber zu Dachbegrünungen.

4. Bodenversiegelungen minimieren

Versickert der Regen gleich dort, wo er anfällt, lassen sich häufig Überschwemmungen verhindern. Eine einfache Maßnahme hierfür ist, eine (unnötige) Versiegelung von Grundstücksflächen zu vermeiden. Wasserdichte, betonierte Wege, Terrassen oder gar Gartenflächen sind vielleicht pflegeleicht und lassen dem Unkraut keine Chance. Sie führen aber zu erhöhten Abflüssen von Regenwasser über das Entwässerungssystem.

Um Zufahrten, Stellplätze und Co. zu befestigen, bieten sich auch eine Vielzahl durchlässiger Materialien an. Schotterrasen, Rasengittersteine, Rasenfugenpflaster oder wasserdurchlässige Pflastersteine lassen dem Regenwasser einen natürlichen Abfluss.

5. Regenrinnen richtig dimensionieren

Zur Entwässerungsplanung gehört auch die Entwässerung des Daches. Um bei Starkregen die anfallenden Wassermengen ableiten zu können, müssen Dachrinnen und Fallrohre ausreichend bemessen sein. Dachfläche, Dachform, Regenhäufigkeit und -mengen sowie der Standort des Hauses beeinflussen den Umfang des aufzunehmenden Niederschlagswassers. Zu kleine Rinnen und Rohre können zu überlaufendem Regenwasser führen und Feuchtigkeitsschäden an der Fassade und Mauerwerk verursachen. Und die größte Dachrinne nützt nichts, wenn sie durch Laub und Moos verstopft ist. Deshalb: Die Dachrinne regelmäßig reinigen, vor allem im Herbst!

6. Oberflächenwasser speichern und nutzen

Immer beliebter und dazu umweltfreundlich sind das Sammeln und Speichern von Regenwasser, um es als Betriebswasser zu nutzen. Das schont nicht nur das Grundwasser, sondern reduziert auch Abwasserkosten und spart gleichzeitig Trinkwasser.

Der Klassiker und am einfachsten umzusetzen ist die Regentonne unter einem Abfluss am Fallrohr. Mit Zisternen oder Regentanks auf dem Grundstück kann auch in größerem Umfang – meist unterirdisch – Regenwasser von den Dachflächen aufgefangen und gelagert werden. Besonders nachhaltig sind professionelle Regenwassernutzungsanlagen, die an die Hauswasserversorgung angeschlossen werden. Sie lassen sich für die Gartenbewässerung oder im Haushalt für die Toilettenspülung und Waschmaschine nutzen. Saubere Dachflächen und -rinnen sind dafür Voraussetzung.

Besteht keine Möglichkeit zur Regenwassernutzung, kann das Regenwasser von versiegelten Flächen, wie zum Beispiel der Einfahrt, über Entwässerungsrinnen kombiniert mit Rigolen, das sind unterirdische Vorhaltespeicher, oder Grünmulden versickern.

Damit eine Regenwasseranlage richtig funktioniert, sollten für Planung und Einbau unbedingt Experten zurate gezogen werden. Diese kennen sich auch mit den gesetzlichen Auflagen aus, die zu berücksichtigen sind. Bei der Auswahl der Materialien sind Bauherren zudem gut beraten, auf Qualität zu achten, zum Beispiel auf das RAL Gütezeichen Regenwassersysteme. Es steht für zuverlässige, langlebige Produkte, die regelmäßig auch auf ihre Hochwertigkeit hin geprüft werden.

7. Über eine Drainage entwässern

Kann das Niederschlagswasser aufgrund der Bodenbeschaffenheit, zum Beispiel bei lehm- und tonhaltigen Böden, nur ungenügend bzw. nicht schnell genug versickern und drückt es gegen das Haus oder überschwemmt es den Garten, dann ist die ergänzende Entwässerung über eine Drainage (oder auch Dränung) ratsam. Sie kommt insbesondere zum Tragen

  • bei Objekten in Hanglage,
  • wenn Regen den Garten unter Wasser stellt,
  • an schwellenfreien Übergängen von Garten zu Terrasse,
  • bei Objekten, die sich im Vergleich zur Umgebung in einer Senke befinden oder
  • bei gelegentlich hohem Grundwasserspiegel.

Kurz gesagt – eine Drainage führt das Regenwasser erst einmal weg, zum Beispiel an den Kellerwänden vorbei in den Untergrund, verhindert, dass sich Wasser an den Wänden staut und zu Feuchtigkeitsschäden führt. Die Gebäudedrainage ist eine Ergänzung zur Kellerabdichtung, jedoch kein Ersatz.

Das Sickerwasser wird durch eine Sickerschicht zu einem mit Vlies umwickelten Drainagerohr geführt, das sich unter dem Kellerboden befindet. Das Drainagerohr hat umlaufend kleine Öffnungen, durch die das Sickerwasser hineingelangt und vom Haus abgeführt wird. Das reduziert den auf das Gebäude wirkende Wasserdruck. Häufig werden die Drainagerohre in einer Ringleitung um das Gebäude geführt. Um die Drainagerohre herum sorgt eine Kiesschicht dafür, dass das Wasser besser fließt und die Rohre nicht versanden.

Doch vor der Installation einer Drainage sollte man unbedingt die regionalen Wasserverordnungen prüfen, gegebenenfalls eine Genehmigung einholen, da nicht überall der Einbau von Drainagen zulässig sind. Auch muss vor geklärt werden, wohin das Wasser abgeleitet wird. Infrage kommt ein Versickerungsschacht, die Kanalisation oder eventuell ein fließendes Gewässer.

 

Wie kann ich mich absichern?

Doch auch trotz umfassender Vorkehrungen zur Entwässerung von Gebäude und Grundstück gibt es immer wieder Wetterereignisse mit Starkregen und Überflutungen, die ein Grundstück oder Gebäude unter Wasser setzen können – Tendenz steigend. Viele Hauseigentümer vertrauen oft fälschlicherweise ausschließlich auf ihre Wohngebäudeversicherung, die jedoch nicht für Naturkatastrophen, so genannte Elementarschäden, aufkommt. Das kann einen Hausbesitzer teuer zu stehen kommen. Rund 10 Mio. Häuser in Deutschland sind gegen Naturkatastrophen nicht richtig versichert.

Wer sein Haus oder Inventar auch gegen Starkregen, Überschwemmungen etc. absichern will, braucht den erweiterten Naturgefahrenschutz, die Elementarschadenversicherung. Sie ist in älteren Versicherungspolicen jedoch häufig nicht enthalten. Die Elementarschadenversicherung schützt u. a. vor naturbedingten Schäden durch Hochwasser, Starkregen, Schneedruck, Lawinen, Erdbeben und Erdrutsch. In neuen, modernen Wohngebäudeversicherungen und auch Hausratversicherungen ist der Baustein Elementarschaden meist bereits enthalten. Für bestehende Wohngebäude- bzw. Hausratversicherungen kann er separat eingeschlossen werden.

Unser Tipp: Prüfen Sie Ihre Wohngebäude- und Hausratversicherung, ob Sie auch gegen die erweiterten Naturgefahren abgesichert sind.

Exkurs: Risikozonen für Elementarschäden

Je nach Lage der versicherten Immobilie können unterschiedliche Kosten für eine Elementarversicherung anfallen. Hintergrund hierfür ist das Risiko möglicher Elementarschäden in der jeweiligen Region. Die deutschen Versicherer haben mithilfe von Daten der Wasserwirtschaftsämter ein Zonierungssystem mit dem Namen ZÜRS (Zonierungssystem für Überschwemmungen, Rückstau und Starkregen) entwickelt und dabei vier Risikozonen festgelegt. Sie reichen von der ZÜRS Zone 1 mit einer sehr geringen Gefährdung bis hin zu ZÜRS Zone 4 mit sehr hoher Gefährdung. Welcher Zone Ihr Gebäude zugeordnet wird, erfahren Sie bei Ihrem Versicherer.

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