KRIEGSJAHRE

KRIEGSJAHRE

Die Kriegsjahre

Als im Jahr 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, hatte sich die junge GEV bereits zu einem aufstrebenden Versicherungsverein entwickelt. Während des Krieges und der Weimarer Republik gelingt es dem Unternehmen, sich unter widrigen Umständen weiter zu etablieren. Und auch das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte wird die GEV überstehen.

1914 – 1918: Der Erste Weltkrieg fordert seine Opfer und spaltet auch die Hamburger Bevölkerung

Am 31. Juli 1914 marschierten die Infanterie-Soldaten des Regiments Hamburg über den Rathausmarkt und weitere öffentliche Plätze der Stadt. Angeführt von einem berittenen Offizier, der den Belagerungszustand verkündete. Damit erweiterte das Militär seine Machtbefugnis und die Grundrechte der Zivilbevölkerung wurden eingeschränkt. Nur einen Tag später, am frühen Morgen des 01. August 1914, erklärte Deutschland Russland offiziell den Krieg.
Die Bewohnerinnen und Bewohner Hamburgs nahmen die Nachricht des Krieges unterschiedlich auf. Während Adel, Bürgertum, Intellektuelle und die politische Führung teils regelrecht begeistert waren, war die Stimmung in den Arbeitervierteln der Großstädte eher verhalten.
Eine britische Seeblockade traf vor allem die norddeutschen Hafenstädte. Die Schifffahrt kam beinahe zum Erliegen und auch in Hamburg entließen Reedereien und Hafenbetriebe ihre Angestellten. Im September 1914 wurden allein in Hamburg 30.000 Arbeitslose registriert, darunter waren viele Hafenarbeiter. In den ärmeren Stadtteilen wuchs die finanzielle Not, das Geld für Mieten und Nahrung fehlte immer öfter.
LEST WE FORGET

Der Geschäftsbetrieb der GEV läuft weiter

Für die GEV änderte sich erstaunlich wenig während des insgesamt vier Jahre andauernden Krieges. Der Geschäftsbetrieb lief weiter und die Einnahmen konnten sogar gesteigert werden. Vermutlich war die zu dieser Zeit aus Hamburger Grundeigentümern bestehende Kundschaft der GEV zumindest wirtschaftlich recht glimpflich durch den Krieg gekommen. Die Stadt Hamburg war auch kein Kriegsschauplatz und blieb von Zerstörungen verschont.

Die Revolution und das Ende des Krieges und der Monarchie

Im September 1918 war die Aussichtslosigkeit des ersten Weltkriegs nicht mehr zu verleugnen. Als Ende Oktober die Marine zumindest die Ehre Deutschlands verteidigen sollte, wehrten sich die Matrosen und verhinderten ein Auslaufen der Schiffe in Wilhelmshaven. Am 31. Oktober gaben sie auf und es kam zur Festnahme.

Ein Teil von ihnen wurde nach Kiel gebracht, wo sich Schiffsbesatzungen und Dockarbeiter mit ihnen solidarisierten. Es kam zum sogenannten Matrosenaufstand, dem Beginn einer sich über ganz Deutschland ausbreitenden Revolution. In der Folge bildete sich am 4. November 1918 in Kiel der erste Arbeiter- und Soldatenrat und es folgten weitere Rätegründungen in zahlreichen Städten des Landes. Die Revolutionäre forderten die Abdankung von Kaiser Wilhelm II. und eine sozialistische Republik. Dem Bürgertum missfiel dies und so kam es als Kompromiss am 9. November 1918 zur Gründung der Weimarer Republik, ausgerufen durch den Sozialdemokraten Philipp Scheidemann vom Balkon des Berliner Reichstags aus. Somit endete die Monarchie und nach ihrem kurzen Intermezzo auch die Räterepublik. Die Idee der Räte blieb jedoch bestehen und findet sich noch heute in Gesellschaft und Institutionen, zum Beispiel als Elternräte oder Betriebsräte, wieder.

Mehr als 17 Millionen Menschen starben im ersten Weltkrieg.
Gedenktafel

1919 – 1933: Weimarer Republik – Hamburg erholt sich leicht zwischen zwei Weltkriegen

Die Währungsstabilisierung und der Konjunkturaufschwung nach dem Höhepunkt der Inflation im Jahr 1923 verbesserten die Lebensbedingungen der Hamburgerinnen und Hamburger. Politische Reformen bewirkten Fortschritte in der sozialen Absicherung, den Bildungsmöglichkeiten und Arbeitsbedingungen sowie der Freizeitgestaltung der Bürgerinnen und Bürger.
Der Wohnungsbau nahm zu und steigerte die Wohnqualität in der Stadt Hamburg. Das Geschäftsfeld der GEV wurde damit gestärkt. Hatten der Krieg und dessen Auswirkungen die geschäftliche Aufwärtsentwicklung noch gestoppt, stiegen nun auch wieder die Beitragseinnahmen.
Die noch recht junge Demokratie in Deutschland hatte Chancen. Das schlug sich in der Bürgerschaftswahl in Hamburg im Jahr 1928 mit einem guten Ergebnis für die Sozialdemokraten wieder. Einen breiten Rückhalt in Bevölkerung, Politik und Verwaltung hatte die Weimarer Republik dennoch nicht. Es blieb unruhig im Land.
Der 24. Oktober 1929 ging als „schwarzer Freitag“ in die europäische Geschichte ein: Eine Spekulationsblase endete in einem Crash an der New Yorker Börse. Das noch aus dem 1. Weltkrieg hoch verschuldete Deutschland wurde hart getroffen. Massenarbeitslosigkeit, wachsende Armut und ein Erstarken der rechtsextremistischen Strömungen folgten. Die Wahlergebnisse der NSDAP stiegen stetig.

1933 – 1938: Der dunkelste Abschnitt deutscher Geschichte nimmt ihren Lauf

Am 30. Januar 1933 wird Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt und damit endete die Demokratie in Deutschland. Mit dem „Ermächtigungsgesetz“ vom 23. März 1933 folgte die völlige Entmachtung des Parlaments. Die Regierung konnte fortan ohne Zustimmung von Reichstag, Reichsrat oder Reichspräsident Gesetze erlassen.
Ermächtigungsgesetz

Hamburg wurde zur "Führerstadt"

Der Senat der Stadt Hamburg erhielt alle Befugnisse und Bürgerschaft sowie Bürgermeister hatten keine politische Macht mehr. Die politische Gleichschaltung wurde damit vollständig umgesetzt.

Als „Hauptstadt der deutschen Schifffahrt“ wurde Hamburg zu einer der fünf Führerstädte. Mit dem Groß-Hamburg-Gesetz erhielt die Stadt im Jahr 1937 ihre heutigen Grenzen, zahlreiche Städte und Stadtteile wurden ins Stadtgebiet eingemeindet. Es gab bereits Pläne für beeindruckende Bauwerke in der Stadt, die jedoch durch den Krieg verhindert wurden.

Die Hamburger Bevölkerung stand zu weiten Teilen zuversichtlich bis euphorisch hinter den politischen Veränderungen. Die NSDAP zählte mehr Mitglieder als im Durchschnitt des Landes.
Die von den Nationalsozialisten durchgeführte Gleichschaltung aller Institutionen betraf auch die Versicherungsvereine. Spätestens ab 1934 sollten auch sie in NS-Verbände eingegliedert sein mit dem Ziel, demokratische Strukturen zu beseitigen, antisemitische Grundsätze zu implementieren und Anhänger der Regierung in die Führungspositionen zu bringen.

1936 konstituierte sich die „Vereinigung deutscher Haus- und Grundbesitzer-Versicherungsgesellschaften e. V.“. Aus den Archivunterlagen der GEV ist ersichtlich, dass der Vorsitzende des Vorstands der GEV nach anfänglicher Ablehnung des Beitritts zum Vorstandsvorsitzenden der Vereinigung gewählt wurde.

Durch die Erweiterung des Hamburger Stadtgebiets erhielt die GEV einen Mitgliederzuwachs. Aus den Vereinen Altona, Wandsbek, Bramfeld, Sasel und Rahlstedt kamen etwa 1.500 neue Mitglieder hinzu. Die zusätzlichen Beitragseinnahmen erhöhten bis 1939 das Eigenkapital der GEV bis zur Eine-Million-Reichsmark-Grenze.

1939 – 1945: Der Zweite Weltkrieg – Zeit der Grausamkeit und Vernichtung

Am 01. September 1939 begann die NS-Führung mit dem Überfall auf Polen den zweiten Weltkrieg. Die jüdischen Bürgerinnen und Bürger Deutschlands wurden bereits seit 1933 verfolgt, enteignet, inhaftiert und ermordet. Ab 1939 wurde die Verfolgung bis in die vom Deutschen Reich besetzten Gebiete ausgeweitet. Jüdinnen und Juden aus Europa wurden in deutsche Vernichtungslager deportiert. Bis zum Ende des Krieges und des „Dritten Reiches“ am 08. Mai 1945 wurden mehr als sechs Millionen Jüdinnen und Juden grausam und systematisch ermordet.

Die jüdische Bevölkerung Hamburgs zur Zeit des Nationalsozialismus

1933 waren etwa 19.000 der insgesamt etwas mehr als 1,12 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner Hamburgs jüdischen Glaubens.

In der sogenannten Reichspogromnacht vom 09. auf den 10. November 1938 wurden die meisten der Hamburger Synagogen zerstört. Darunter auch die größte Hamburger Synagoge, die Bornplatzsynagoge im Stadtteil Rotherbaum.

Heute befindet sich am ehemaligen Standort der Bornplatzsynagoge ein Bodenmosaik der Künstlerin Margrit Kahl, welche die Umrisse der Synagoge abbildet. Kontrovers diskutiert jedoch überwiegend befürwortet wird der aktuell geplante Neubau der Bornplatzsynagoge an gleicher Stelle. Der Bornplatz selbst wurde im Jahr 1990 umbenannt und trägt den Namen des bis 1941 amtierenden Oberrabbiners Joseph Carlebach.

Kunstgegenstände und Mobiliar aus jüdischem Eigentum wurden bis 1945 in Hamburg versteigert, etwa 1.500 jüdische Unternehmen und 2.400 Hamburger Grundstücke wurden ihren jüdischen Besitzern enteignet.

Fast 9.000 Hamburger Jüdinnen und Juden verloren während der NS-Zeit ihr Leben. Nur sehr wenige überlebten im Untergrund, wie die Familie des Schriftstellers Ralph Giordano. Nach Kriegsende lebten noch 647 Menschen jüdischen Glaubens in der Stadt.
Stern

Die GEV im dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte

Der Schriftwechsel wurde wie seinerzeit üblich mit "Heil Hitler" unterzeichnet. Persönliche inhaltliche Anmerkungen in Briefen offenbaren einen gewissen Unmut über die Kriegsfolgen. In Bezug auf die Geschäftstätigkeit war die Erhebung der Beiträge ein besonderes Thema. Das Haftpflichtrisiko besteht auch bei unbebauten Grundstücken. Den Mitgliedern wurde daher mitgeteilt, dass auch bei zerbombten Häusern weiterhin Beiträge zu entrichten seien. Zumindest wurden die Beiträge abgesenkt.

Im Juli 1943 wurde die Stadt Hamburg im Rahmen der "Operation Gomorrha" neun Tage und Nächte lang bombardiert. Mehr als 35.000 Menschen starben und über eine halbe Million Wohnungen wurde ganz oder teilweise zerstört. Die Beitragseinnahmen der GEV sanken bis 1945 auf einen Tiefstand.

Mit dem Ende der Kriegsjahre hat die GEV mehr als 50 Geschäftsjahre hinter sich. Nach diesem dunklen Zeitabschnitt folgt der Zeitabschnitt "Die Aufschwungsjahre". Die Inhalte werden aktuell erarbeitet.

Wer weiß mehr über die GEV während der NS-Zeit?

Leider wissen wir sehr wenig über die GEV in der NS-Zeit. Herausgefunden haben wir bisher nur dieses:

Ein Vorstandsmitglied wurde zum Kriegsende als Wehrmachtssoldat in Russland vermisst. Die beiden Angestellten der GEV sollen nach Auskunft gegenüber der Aufsichtsbehörde des Versicherungswesens zumindest keine Mitglieder der NSDAP gewesen.

Erinnern Sie sich an Familienmitglieder, die bei der GEV versichert waren oder arbeiteten? Können Sie uns mehr über die Menschen berichten, die bei der GEV tätig waren? Befinden sich in Ihren Familienarchiven Fotos oder alte Versicherungsdokumente aus dieser Zeit?
Fotos und Dokumente
Wir möchten gern mehr über die Geschichte der GEV während der NS-Zeit erfahren und freuen uns, wenn Sie mit uns Kontakt aufnehmen.
Telefonisch unter 040 37663131 oder per E-Mail an marketing@grundvers.de.